KTC-News 4/98
Ein kurzes Teaching über die Zuflucht
Liebe Leserinnen und Leser,
mit Freuden präsentieren wir Euch die ersten Belehrungen S. H. Karmapas, die Orgyen Thrinley Dorje im Juli 1998 in Tsurphu gegeben hatte. Die englische Übersetzung stammt von Ven. Ringu Tulku Rinpoche, ich habe mir dann erlaubt, auf Grundlage dieser Arbeit eine deutsche Version zu erstellen. Zunächst wollte ich das Teaching in Englisch belassen, habe mich aber dann dennoch in Hinblick auf die bessere Lesbarkeit für alle jene, die in die englische, buddhistische „Fachterminologie“ nicht eingearbeitet sind, eine weitere Übersetzung zu machen. Weiters zur besseren Lesbarkeit habe ich mir erlaubt, Zwischenüberschriften einzufügen, die im Original natürlich nicht vorhanden sind. Dazu habe ich mich entschlossen, da dieser Newsletter nicht nur unter jenen, die den Buddhadharma praktizieren, die Verbindung aufrecht erhalten, sondern auch alle jene, die anderen Religionen folgen, besser über buddhistische Aktivitäten informieren soll.
Das Titelblatt ist eine Lobpreisung aller hohen Lamas Tibets von S. H. Gyalwang Karmapa, deren Verantwortung, die Aufrechterhaltung der Tibetischen Kultur zu gewährleisten, gewaltig ist. Wieder stammt die englische Übersetzung von Ringu Tulku Rinpoche und wurde von Ken Holmes im Oktober 1998 in Schottland erstellt. Ich habe davon die deutsche Version erstellt. Die Druckvorlage für die Titelseite wurde uns von Padma Wangyal, Karma Kagyu Verein Deutschland, zur Verfügung gestellt. Vielen Dank.
Ende Oktober, Anfang November lehrte S. H. Dalai Lama den Lamrim, stufenweisen Weg zur Erleuchtung in Schneverdingen, Norddeutschland. Ich war in der glücklichen Situation mit Hilfe eines Sponsors daran teilzunehmen. Aufgefordert von S. H., von ihm sowohl während einer Pressekonferenz als auch während der Auflösung des Sandmandalas Fotos zu machen, kann ich Euch damit am Großereignis partizipieren lassen.
Dieses Mal enthält die Seite mit den Hinweisen auf Veranstaltungen zusätzlich die Rubrik „Vorankündigung für alle Nepalfahrer zum neuen Jahr“, damit Ihr jetzt in aller Ruhe etwaige Vorbereitungen zu einer Reise nach Asien treffen könnt. Sie ist für alle unter Euch, die im Winter planen, zum Beispiel nach Kathmandu zu fliegen. In der Werbesprache würde das heißen, das Angenehme mit dem Nützlichen zu verbinden.
In diesem Sinne viel Freude beim Lesen!
Alles Liebe im Dharma
Ein kurzes Teaching über die Zuflucht
S. H. der 17 Gyalwa Karmapa, Orgyen Thrinley Dorje, gab im Juli 1998 seine ersten Belehrungen zu Zuflucht und Bodhicitta.
Heute würde ich gerne kurz über die Zuflucht sprechen
SH 17. Karmapa in Tsurphu, TibetIhr seid keine Buddhisten, wenn Ihr nicht Zuflucht nehmt. Was jemanden als Buddhisten definiert, ist sein Verständnis und sein Bemühen, die Zuflucht aufrecht zu erhalten, sie einzuhalten. Es wird gesagt, ‚man ist kein Anhänger des Mahayana, wenn man kein Bodhicitta hat’, denn es ist die Entwicklung von Bodhicitta, oder der Bodhisattva Wunschgedanke, der darüber entscheidet, ob man Mahayana praktiziert oder nicht. Deswegen sollte man verstehen, daß der gesamte Pfad im Grundsatz von Zuflucht und Bodhicitta enthalten ist. Alle Belehrungen, die von Buddha Shakyamuni gegeben wurden, kann man auf Zuflucht und Bodhicitta zurückführen.
Deswegen haben wir Belehrungen zur Grundlage der Zuflucht, die allgemeinen und speziellen Gelübde der Zuflucht und viele andere Unterweisungen, die in Zusammenhang mit Zuflucht stehen.
Die Grundlage für die Zuflucht ist Glauben und Mitgefühl: Vertrauen und Zuversicht in Buddha, Dharma und Sangha und das Mitgefühl, alle fühlenden Wesen aus dem Leiden zu befreien.
Die drei Arten von Vertrauen in die Drei Juwelen
Es gibt drei Arten von Glauben oder Vertrauen in die Drei Juwelen. Ein Glaube voller Begeisterung ist die positive Inspiration, die Euch ergreifen wird, wenn Ihr Plätze der Verehrung, an denen viele heilige Objekte aufbewahrt werden, aufsucht, wenn Ihr mit großen Meistern zusammentrefft oder Sanghatreffen beiwohnt, die Euch inspirieren. Der wünschende Glaube ist jener, durch welchen man den Wunsch hegt, alles Leiden los zu werden und den Frieden der höheren Daseinsbereiche zu erlangen. Zu diesem Zweck möchte man gute Taten vollbringen und negative aufgeben und hat die Zuversicht, dieses Ziel erreichen zu können. Der Glaube der vollen Zuversicht bedeutet, zu verstehen, daß die Drei Juwelen Eure einzige und letztendliche Zuflucht sind und unerschütterliches und aufrichtiges, tief empfundenes Verstehen und Vertrauen in Buddha, Dharma und Sangha zu haben.
Mitgefühl für alle fühlenden Wesen bedeutet, alle fühlenden Wesen, die sich im Ozean des Samsara befinden, von allen Arten des Leidens und Problemen befreien zu wollen. Alle diese Wesen sind schon einmal meine Mütter gewesen und alle haben sie mich geliebt und für mich als Mutter gesorgt. Und ich, ich persönlich, möchte ihnen helfen, von ihren Leiden befreit zu werden. Das bedeutet Mitgefühl. Diese beiden bilden die Grundlage für die Zuflucht.
Was ist die Essenz der Zuflucht? Es bedeutet, daß ich keinen anderen letztendlichen Führer habe, außer Buddha; ich habe keinen anderen wahrhaftigen Weg als den Dharma, ich habe keinen anderen Gefährten oder Begleiter, mit dem ich den Pfad gemeinsam gehe, als die höchste Sangha. Wir brauchen diese Weggefährten, mit denen wir den Weg gemeinsam durchlaufen. Wenn wir einen Fluß überqueren wollen, brauchen wir einen Fährmann, denn das Boot würde sich nicht von alleine bewegen. Wenn wir uns auf falsche und schlechte Gefährten oder Freunde verlassen, dann können wir abdriften, uns verirren und vom Weg abkommen. Deswegen wollen wir die richtigen Begleiter finden und gemeinsam den Weg beschreiten. Das ist die höchste Sangha. Das ist das klare, unabänderliche und notwendige Versprechen zu den Drei Objekten der Zuflucht.
Niemals sollt Ihr Eure Zuflucht aufgeben…
Die Unterweisungen, wie man die Zufluchtsversprechen aufrecht erhält, sind vielfältig und können in die allgemeinen, die speziellen und so weiter unterteilt werden.
Die erste der allgemeinen Instruktionen besagt, daß Ihr Eure Zuflucht niemals aufgeben solltet, nicht einmal im Tausch für Euer Leben oder für großes Ansehen. Wenn jemand den größten Reichtum anhäufen und Euch sagen würde, all das könnte Eurer werden, wenn Ihr Eure Zuflucht aufgäbt - selbst dann würdet Ihr Eure Zuflucht nicht aufgeben wollen, nicht einmal für Euer Leben. Zweitens, egal, welche Leiden und Mühsal Ihr durchlebt, solltet Ihr dennoch auf nichts anderes vertrauen als auf die Drei Juwelen. Drittens solltet Ihr den Drei Juwelen und den heiligen Repräsentationen von Körper, Rede und Geist immer Opfergaben darbringen. Viertens solltet Ihr die Zuflucht aufrecht erhalten und so vielen anderen wie nur möglich die Zuflucht zu den drei Juwelen zugänglich machen. Es genügt nicht, daß man selbst die Zufluchtsgelübde aufrecht erhält, man sollte darüber hinaus versuchen, andere in die richtige Richtung zu führen. Wenn jemand sich auf dem falschen Pfad befindet, solltet Ihr versuchen, ihn auf den richtigen Weg zu bringen. Fünftens solltet Ihr den Buddhas der zehn Richtungen Verbeugungen darbringen und dem Buddha derjenigen Richtung, in die Ihr Euch gerade verbeugt, das bedeutet, morgens, mittags und abends den Buddhas huldigen.
Fühlende Wesen sind nicht nur jene, die Haare und Beine haben
Dann gibt es Unterweisungen in die speziellen Gelübde mit Hinsicht auf die Drei Juwelen. Zuallererst, wenn wir in Buddha Zuflucht nehmen, nehmen wir keine weltlichen Götter als letztendliche Zuflucht. Weltliche Götter sind solche wie Brahma, Indra, Vishna und Shiva, tsens und gyalpo (tib.) Da sie sich selbst in Samsara befinden, wie können sie Euch helfen, Euch aus ihm zu befreien? Dementsprechend, wie es in den „37 Übungen eines Bodhisattvas” heißt, sollte man sie nicht als Zufluchtsquelle nehmen. Zweitens bedeutet, Zuflucht zu nehmen, aufzugeben, anderen fühlende Wesen, semchen (tib., ausgesprochen „Semtschen“) zu schaden. Semchen hier umfaßt nicht nur jene, die vier Beine und Haare haben, es sind dies alle jene, die Sinne oder ein Bewußtsein haben. Man sollte aufhören zu töten, zu stehlen und sollte versuchen, den Weg der Gewaltlosigkeit zu gehen. Drittens, wenn Ihr Zuflucht zur Sangha nehmt, solltet Ihr keine Zeit mit negativen Gefährten verbringen; wenn Ihr Zeit mit negativen Begleitern verbringt, werdet Ihr auf negative und nicht auf positive Pfade geführt werden.
Es gibt drei Gelübde, die es in Hinsicht darauf gibt, den Drei Juwelen Respekt entgegenzubringen. Erstens, wenn Ihr Zuflucht zu Buddha nehmt, solltet Ihr Ehrerbietung gegenüber den Buddhas und deren Repräsentationen haben. Das beinhaltet auch, Buddha-Abbildungen auf Plätze des Respekts zu stellen und Verbeugungen und Opfergaben darzubringen. Zweitens, Zuflucht zum Dharma zu nehmen, verlangt von Euch, dem Dharma und seinen Repräsentationen, sogar einem Brief oder einer Silbe, mit der der Dharma beschrieben wird, ganz zu schweigen von Büchern und Dharma-Gegenständen, Ehrerbietung entgegenzubringen. Drittens, Zuflucht in die Sangha zu nehmen verlangt von Euch, der Sangha und deren Repräsentationen, sogar denen, die lediglich die Roben der Sangha tragen, Respekt gegenüber zu zeigen. Sogar, wenn Ihr nur ein kleines Stück roter Robe auf der Straße findet, solltet Ihr denken, daß es sich dabei um eine Repräsentation der Sangha handelt und solltet es nicht in einer respektlosen Weise behandeln.
Nun zu den drei Unterweisungen gemäß dem Vorhergesagten. Erstens, wenn Ihr Zuflucht zu Buddha nehmt, laßt Euren Geist mit dem Dharma in Einklang kommen. Wenn wir behaupten, zu Buddha Zuflucht zu nehmen, aber unser Geist befindet sich vollkommen im Gegensatz zum Dharma, dann ist das keineswegs in Ordnung. Laßt Euren Geist durchdrungen sein vom Dharma und erzeugt Frieden, Bescheidenheit und Demut. Zweitens, wenn wir Zuflucht zum Dharma nehmen, sollten wir unsere Sprache in Einklang mit dem Dharma bringen. Wir behaupten, Zuflucht zum Dharma zu nehmen, deshalb ist es falsch, wenn unsere Sprache vollkommen im Gegensatz zum Dharma ist. Deshalb bemühen wir uns, damit aufzuhören, Lügen zu erzählen, andere zu verleumden und verletzende Worte zu sprechen. Wir versuchen, unsere Sprache im täglichen Leben vom Dharma durchdringen zu lassen. Drittens, wenn wir Zuflucht in die Sangha nehmen, sollte unser Körper in Einklang mit dem Dharma stehen. Wir sollten versuchen, unser Leben in Einklang mit dem Dharma zu leben und negative Handlungen des Körpers, wie zum Beispiel sexuelles Fehlverhalten und ähnliches, aufzugeben.
Und was ist der Nutzen?
Was ist nun der Nutzen daraus, die Zufluchtsgelübde einzuhalten? Wir würden nicht Zuflucht nehmen, wenn es keinen Nutzen gäbe. Erstens, wenn wir Zuflucht nehmen, beginnen wir damit, Buddhismus oder Dharma zu praktizieren. Zweitens bereiten wir damit eine günstige Basis für alle Gelübde und Ebenen der Ordination. Drittens sind wir dadurch vor Schaden von menschlichen und nicht menschlichen Wesen beschützt, alle Hindernisse und schädlichen Einflüsse werden befriedet. Viertens werden wir in allen unseren zukünftigen Leben nicht vom Segen Buddhas, des Dharma und der Sangha getrennt sein. Fünftens werden die Auswirkungen des negativen Karma reduziert. Es gibt so viel Nutzen, daß es schwierig ist, ihn einzeln (auf)zuzählen.
SH Gyalwang Karmapa in Tsurphu, TibetSprechen wir jetzt über Bodhicitta. Alle Wege eines Bodhisattvas müssen ausnahmslos im Zusammenhang mit Bodhicitta vervollkommnet werden. Zuerst versucht, an alle jene Wesen zu denken, die großes Leiden erfahren und die Ihr selbst gesehen habt, sowie an jene Personen, die behindert und krank sind und große Schmerzen erleiden. Dann denkt an all die anderen Wesen, die unermeßliche Leiden erfahren. Immer und immer wieder denkt an sie, bis Ihr großes und echtes Mitgefühl für sie empfindet. Dabei fühlt Ihr „Ich werde persönlich all ihre Leiden auflösen, sogar, wenn ich es ganz alleine tun muß, werde ich es tun.“ Wenn diese Art des Wunsches und Mutes in Euch entsteht, ist das dann der Beginn dessen, daß Ihr ein Bodhisattva werdet, denn Mitgefühl und Mut bilden die Vorbereitung und das Training und Üben eines Bodhisattvas.
Es gibt drei Arten des Bestrebens eines Bodhisattvas. Die erste ist das könig-gleiche Bestreben. Ein König hat Macht und kann Befehle geben, zu helfen und seinen Untergebenen dadurch Nutzen bringen. Das bedeutet, ich strebe danach, selbst Erleuchtung zu erlangen, um allen anderen fühlenden Wesen zu helfen, Erleuchtung zu erlangen. Das zweite ist das kapitän-gleiche Streben. Ein Fährmann belädt sein Schiff mit seinen Passagieren und überquert mit ihnen gemeinsam den Fluß, das Boot kann nicht von alleine fahren. Diese Art von Streben wird ‚Streben der geheiligten Weisheit’ genannt. Das dritte ist das hirten-gleiche Streben, welches dann entsteht, wenn ich den Wunsch habe, ‚Mögen alle Wesen erleuchtet werden durch meine positiven Taten. Ich möchte erst dann Erleuchtung erfahren, nachdem jedes einzelne von ihnen erleuchtet ist.’ Ein Hirte wird sich zuerst um seine Schafe kümmern, erst dann wird er nach Hause gehen. Das ist die höchste Courage und das höchste Mitgefühl. Von den dreien ist die dritte die nobelste, aber Ihr könnt jene wählen, die für Euch am besten geeignet ist, es gibt da keinen Unterschied.
Es gibt drei Arten des Bodhicitta: negative Handlungen aufzugeben, positive Taten anzuhäufen und zum Nutzen der anderen zu arbeiten. Negative Handlungen aufzugeben kann in 18 Grundgelübden weiter ausgeführt werden, wobei ihrer aller Essenz in jenes eine zusammengefaßt werden kann, keine fühlenden Wesen aufzugeben. Ein einzelnes fühlendes Wesen auszuschließen ist schlimmer als jede andere negative Handlung, deswegen muß man Bemühen daran setzen, dies nicht zu tun.
Zuflucht und Bodhicitta sind keine Anfängerübung
Zuflucht und Bodhicitta sind keine Vorbereitung oder etwas, das man am Anfang erledigen muß und dann zurücklassen kann. Normalerweise rezitieren wir am Beginn unserer Praxis Zeilen der Zuflucht und der Erzeugung von Bodhicitta, aber man sollte nicht glauben, daß das nur für den Beginn gedacht ist. Diese beiden sollten Euch immer, während des gesamten Weges begleiten. Man sollte immer Mitgefühl bewahren, denn kein einziges fühlendes Wesen auszuschließen und ein starkes Zufluchtsversprechen bilden die wichtigste Basis für den buddhistischen Pfad. ‘Ich persönlich werde alle fühlenden Wesen zur Erleuchtung bringen’. Man sollte versuchen, ein reines Streben, einen aufrichtigen Wunschgedanken dieser Art zu erzeugen und daran zu arbeiten, als würde man nach Gold graben. Aufrichtig heißt in diesem Zusammenhang, man sollte nicht falsch sein. Wenn man nicht betrunken ist, aber sich so benimmt, als wäre man es, dann ist man nicht aufrichtig. Man sollte diesen Wunsch aufrichtig hervorbringen. Wir menschlichen Wesen sind geizig, so zum Beispiel wenn wir nach Gold graben, dann denken wir an nichts anderes als an dieses Gold. Bei der Erzeugung von Bodhicitta sollte man genauso einsgerichtet sein, nur darauf konzentriert.
Wenn Ihr kein Verständnis und kein Bemühen für die Zuflucht habt, dann könnt Ihr nicht einmal Hinayana praktizieren, geschweige denn Mahayana. Wenn Ihr Euch nicht der Erzeugung von Bodhicitta zuwendet, könnt Ihr nicht Mahayana praktizieren, geschweige denn Vajrayana. Es ist sehr wichtig, dieses grundlegende Prinzip zu verstehen. Wenn sich aufrichtiges Bodhicitta in Eurem Geist gebildet hat, dann werdet Ihr den Pfad eines Bodhisattvas betreten, werdet immer aufrichtige spirituelle Freunde in Euren zukünftigen Leben treffen, werdet den Nektar der Dharmabelehrungen erhalten und werdet Erleuchtung, die perfekte Buddhaschaft, ohne große Verzögerung verwirklichen. Perfekt in diesem Zusammenhang bedeutet Vervollkommnung im Sinne der kompletten Aufgabe all dessen, das aufzugeben ist und umfassende Vollendung dessen, was zu vollenden ist. ‚Buddha’ heißt im Tibetischen ‚sangye’. ‚Sang’ bedeutet erwachen: man erwacht von allen Befleckungen, allem Leiden. ‚Gye’ bedeutet erblühen: Weisheit öffnet sich wie die Blüttenblätter einer erblühenden Blume.
Jetzt, da wir die Grundlagen für den Ozean der Handlungen eines Bodhisattvas gelegt haben, sollten wir Widmungsgebete, wie zum Beispiel das ‚Zangpa Chöpa Mönlam ‘ sprechen, die zweihundert Gebete, die von Nagarjuna komponiert wurden, und Lopon Pawos siebenhundert Gebete. Wir sollten sie nicht nur ein- oder zweimal sprechen, nein, jeden Tag und so konstant wie nur möglich während unseres ganzen Lebens - zum Nutzen der anderen.
Der Grund dafür, warum ich über Zuflucht spreche, ist der, daß wir dieses, unser Leben, welches mit den acht Freiheiten und zehn Gelegenheiten ausgestattet ist, nicht verschwenden sollten. Selbstverständlich gibt es viele, die bei weitem gelehrter sind als ich, trotzdem habe ich versucht, wenige Worte dazu zu sagen. Ein Tor wie ich weiß nicht viel, aber wenn Ihr das in Erinnerung behaltet, denke ich, wird das einigen Nutzen bringen.
Jenen unter Euch, die geholfen haben, die Shedra zu unterstützen und die die Belehrungen der Karma Kagyu Linie in vielen Ländern verbreiten, möchte ich meinen Dank und Wertschätzung aussprechen. Ich wünsche und bete dafür, daß ich bald die westlichen Länder besuchen werden kann, und daß der Buddhadharma sich über die ganze Welt verbreiten wird.
Möget Ihr alle guter Gesundheit sein und möge es Glück und Wohlsein in diesem und in allen zukünftigen Leben geben. Ich widme alle positiven Handlungen, die ich in allen drei Zeiten vollbracht habe, und wünsche, daß sie zum Nutzen aller fühlenden Wesen, die alle schon meine Mutter gewesen sind, zur Reife gelangen werden. Ich bitte Euch alle, Euch in Gewaltlosigkeit zu üben und alle schädlichen Handlungen jedem Wesen gegenüber aufzugeben. Ich bete für günstige Jahreszeiten, gute Ernten und den größten Wohlstand aller Wesen auf dieser Erde.
Wegen meines jungen Alters bin ich derzeit nicht in der Lage, den Klöstern und dem Buddhadharma sehr gut zu dienen, aber ich werde sicherstellen, durch mein Mitwirken im Dharma und in der Linie keine Schande für meine Linie zu werden.
ins Englische übersetzt von Ringu Tulku Rinpoche im November 1998, deutsche Übersetzung Lama Palmo






