KTC-News 4/99

Gebete für den Weltfrieden

Liebe Leserinnen und Leser,

diese Ausgabe wird sich mit dem Jahreswechsel beschäftigen. Wie alle anderen, namhaften und weniger rühmlichen Publikationen können auch wir nicht umhin, uns mit dieser für viele Menschen anscheinend wichtigen Thematik zu beschäftigen. Dabei möchte ich mich aber nicht mit der Grundsatzfrage auseinandersetzen, ob die Welt nun tatsächlich untergehen wird, oder nicht. Denn, entgegen den Befürchtungen, die anlässlich der Sonnenfinsternis im August des heurigen Jahres in den Medien nur allzu breit getreten wurden, besteht diese Erde immer noch und wird es voraussichtlich auch noch sehr lange. Länger, als wir fähig sind, mit unserem Vorstellungsvermögen zu erfassen. Situ Rinpoche erklärte einmal in Belehrungen, dass es dann soweit sein würde, wenn, nachdem die Tausend historischen Buddhas erschienen sind, die Welt von der gewaltigen Hitze von sieben Sonnen zerstört werden würde.

Wie Ihr aber entweder durch die Lehrer direkt oder aber auch durch das Lesen dieser Publikation wisst, befinden wir uns jetzt im ausgehenden 20. Jahrhundert erst im Zeitalter des vierten historischen Buddha, Buddha Shakyamunis. Mehr als 1000 historische Buddhas werden noch auf dieser Welt erscheinen, bis das, was uns für den Übergang ins neue Jahrtausend angekündigt wurde, tatsächlich eintreten wird. Also kein Grund zu welcher Panik auch immer. Im letzten Newsletter nimmt S. H. Karmapa unter anderem ebenfalls zu diesen Befürchtungen Stellung. Lama Damdul, den wir zuvor befragten, meinte, dass es sich bei dieser Frage um eine sehr gute handle, denn da er viel in Taiwan u. a. unterwegs sei auch immer wieder mit dieser Angst konfrontiert würde. Es sei damit keine westliche, sondern eine durchaus generell menschliche Befürchtung.

Um das, was nach westlicher Zeitrechnung also mit den Eintritt in ein neues Jahrtausend gefeiert wird, zum Anlass zu nehmen, mit etwas Sinnvollem „anzustoßen“, wollen wir Euch allen die Möglichkeit bieten, mit uns gemeinsam einen Tag der intensiveren Praxis generell und Gebeten für den Weltfrieden im speziellen zu widmen. Wir schließen uns damit der Aktion, die von Karma Triyana Dharmachakra ausgeht, an.

Als ich in KTD war, habe ich an der Vorbereitung zu diesem Ereignis  mitgearbeitet und Europa im Besonderen bearbeitet. Sowohl S. H. Karmapa in Tsurphu, Tibet, S. E. Goshir Gyaltsab Rinpoche in Rumtek, Sikkim und S. E. Khenting Tai Situ Rinpoche, der seines in Amerika formulierte, wurden von KTD gebeten, spezielle Gebete, die mit dem Darbringen von Kerzen in Verbindung stehen, zu komponieren. Situ Rinpoche gab die Übertragung und Erklärungen seines Gebets und interpretierte auch die Gebete S. H. Karmapas und S. E. Gyaltsab Rinpoche, uns aber wissen lassend, dass er, da er die Übertragung durch die Verfasser nicht habe, uns nur annähernd aufgrund seines Wissens Erklärungen und die letztendliche Meinung erst durch Belehrungen der beiden geben könne. Wir drucken alle diese Gebete in Tibetisch, transliteriert und in Deutsch übersetzt ab.

Auch wir haben ein besonderes Programm am 1. 1. 2000, das wir Euch in dieser Nummer kurz vorstellen möchten.

Damit alle fühlenden Wesen durch die Kraft unserer Gebete, unserer Wünsche, Anstrengungen und Taten zur vollständigen Befreiung kommen.

Alles Liebe für das neue Jahr

Gebete für den Weltfrieden

Von KTD dazu gebeten, haben S. H. Karmapa, S. E. Situ Rinpoche und S. E. Gyaltsab Rinpoche anlässlich des in Kürze bevorstehenden Wechsels zum neuen Jahrtausend Gebete formuliert, die wir hier abdrucken, und die bei uns am 1. 1. 2000 auch rezitiert werden.

Ein Fest für die vom Glück Begünstigten, ein Wunsch des Lichts

OM SO TI

MI JUR NANG TONG ZUNG JUG CHÖ KYI KU
Dharmakaya, unveränderliche Vereinigung von Erscheinung und Leerheit

DE CHÄN DrUB PÄ LANG TSHO GYÄ PÄ LONG
Unermessliche Ausbreitung der jugendlichen, großen Glückseligkeit

ZAG DrÄL LHÜN DrUB GYÄ PÄ KHA YING LÄ
Himmel der spontan vorhandenen Freude, frei von Befleckung

GYUR MÄ SHI PÄ GA TÖN TSÖL GYUR CIG
Gewähre uns den Genuss unveränderlicher Güte.

GE TSHOG PÄL GYI DUM BU LÄ ONG WÄ
Durch die Samen des innewohnenden, reinen Verdiensts

RANG ZHIN NAM KAR GE WÄ SA BÖN DANG
die sogar durch den  kleinste Menge glorreicher Güte entstehen

CHOG SUM NANG SÄL Ö KYI LEG CHÖ PÄ
und das breite Lächeln von Verdienst enthüllen,

LEG JÄ CHHOG KYI DZUM KAR DrÖL WA DI
durch das Darbringen des Lichts dieser Lampen zu den Drei Juwelen

PEMO TONG DU ZHÄ PÄ ZHING DI RU
Möge das Wohlbefinden eines goldenen Zeitalters entstehen

DZOG DÄN KYI KYI LANG TSHO GUG DANG LHÄN
in dieser Sphäre des tausendblättrigen Lotus.

THrUG TSÖ DÜ KYI KÄL PA ZHI WA DANG
Möge diese Zeit des Streits und Disputs befriedet sein.

PÜN TSHOG PÄL YÖN GYÄ PÄ TrA SHI SHOG
Möge glücksverheißendeVortrefflichkeit, Wohlhaben und Güte gedeihen

KHÄ PAR NUB CHHOG A RI NOR DZIN KYÖN
Besonders im Land von Amerika.

SHÄ DrUB CHU KYÄ LANG TSHO GÖ PA DANG
Möge der jugendliche Lotus der Belehrungen und der Praxis  erblühen

ZAB SANG DAR DIR DrOG PÄ DrÖN YANG KYI
Mögen unzählbare Ozeane von Bereichen gefüllt sein

DrANG YÄ ZHING KHAM GYA THSO GENG GYUR CIG
mit dem melodiösen Tosen des vollkommenen Geheimnisses.

In Antwort auf das Ansuchen Tenzin Chönyis, dessen gute Absichten unvergleichlich sind, wurde dies von Orgyen Thrinley, der die Krone des Namens Karmapa trägt, am 16. August 1999 geschrieben. Möge es glücksverheißend sein.
 

DZOG PÄ SANG GYÄ DrÖN MÄ GYÄL PO DANG
Dadurch, dass wir diese ruhigen und wunderbaren Lampen darbringen

JIG TÄN WANG CHUG KARMA PA LA SOG
in der freudvollen Gegenwart des perfekten Buddha, des Königs der Erleuchtung

SÄ CÄ GYÄL WÄ DÜN SA NYAM GA WAR
des Gyalwang Karmapa, des Herren über die Welt;

ZHI WA RAB DZÄ MAR ME DI PÜL WÄ
und aller Buddhas mit ihren Kindern,

PÜN TSHÜN DrA RU THONG WÄ SAM NGÄN DUG
möge das Gift der vorsätzlichen Feindschaft

RANG ZHÄN SU YI GYÜ LA’ANG MI JUNG WAR
niemals im Bewusstsein nicht eines einzigen von uns entstehen.

JAM PÄ SEM KYI MA BU THrÄ PA ZHIN
Mit liebendem Bewusstsein, wie das Treffen von  Mutter und Kind

DZAM BÜ LING KÜN ZHI DÄ KHYAB PAR SHOG
möge die gesamte Welt mit Frieden und Glück erfüllt sein

verfasst vom 12. Goshir Gyaltsab Rinpoche
 

KÜN ZHI RANG RIG YE SHE KÜN DU SÄL
Die Basis, Selbstbewusstsein, ist völlig strahlende Weisheit

CHÖ RAB NAM GYÄ SHE RAB PHA ROL CHHIN
Es ist Prajnaparamita, das gänzlich zwischen den Dingen unterscheidet

RIG PÄ RANG ZHIN MA RIG DrIB PÄ WÄN
Dessen Natur ist Bewusstsein, das nicht durch Unwissenheit verdunkelt ist.

TONG SÄL ZUNG JUG SÄL WÄ DE ZHIN NYI
Es ist Leerheit und Klarheit in Vereinigung, die reine Natur der überstrahlenden Helligkeit

NAG SÄL Ö ZER NAG WÄ CHHOG KÜN KHYAB
Die ausströmenden Strahlen dieses Lichts füllen alle Viertel des Raums.

NANG SÄL SÖ NAM DrÖN KÜN DE LA JOR
Möge der Verdienst dieses Lichts allen Wesen Glück bescheren.

NANG SÄL RANG ZHIN CHÖ NYI DE ZHIN NYI
Die Natur dieses Lichts ist die reine Natur aller Dinge.

NANG SÄL GYÄL WÄ YE SHE NGÖN GYUR SHOG
Möge das Licht der Weisheit Buddhas entdeckt und enthüllt werden.

verfasst vom 12.Tai Situ Rinpoche