Spielzeug für Wiedergeburt
Staunen im Tennyi Dargyeling in Kathmandu: 2000 Gäste aus aller Welt verfolgen im nepalesischen Kloster, 2000 weitere auf Monitoren vor den Toren eine faszinierende Zeremonie: die Inthronisation der Wiedergeburt von Dilgo Khyentse Rinpoche.
Rinpoche (1919 - 1991) war einer der bedeutendsten buddhistischen Lehrer seiner Zeit, etwa auch für den Dalai Lama. Sein Leben war der Erhaltung und Verbreitung des Buddhismus sowie der Meditation gewidmet - 22 Jahre verbrachte er in stiller Zurückziehung.
Nach seiner Flucht aus Tibet hatte Rinpoche zahlreiche Länder bereist und in der französischen Dordogne sein Hauptkloster für den Westen gegründet. In den letzten zwei Jahren seines Lebens kehrte er aus seinem Exilsitz in Nepal zweimal nach Tibet zurück, um den Wiederaufbau seines Stammklosters Shechen Tennyi Dargyeling voranzutreiben, das während der Kulturrevolution 1960 zerstört worden war.
Aus buddhistischer Sicht werden alle Wesen, ihren früheren Taten entsprechend, wiedergeboren. Nur wenige können bewusst reinkarnieren, um andere aus dem Kreislauf des Leidens zu führen. In Rinpoches Fall geschah dies am 30. Juni 1993. Yangsi Rinpoche wurde nach traditionellen Prüfungen als dessen Wiedergeburt anerkannt; auch vom Dalai Lama, der an ihm vor zwei Jahren die so genannte Haarschneide-Zeremonie vollzog.
Das jetzige Fest mit Langlebensgebeten, ritueller Musik und der Enthüllung der lebensgroßen Nachbildung des Dilgo Khyentse Rinpoche dauerte samt Vorbereitungen sieben Tage. Vor der Inthronisation ging ein Raunen durch die Menge: Schauspieler Richard Gere gehörte zu den Auserwählten, die direkt im Inneren des Tempels der Zeremonie beiwohnen durften.
Dem Viereinhalbjährigen, der nun den Namen Urgyen Tenzin Jigme Lhundrub trägt, wurden nach der Inthronisation Geschenke dargebracht: Kataks (Glücksschals), Statuen, Brokate, Ritualgegenstände und natürlich auch Spielzeug.
(erschienen in Kleine Zeitung, 22. März 1998)





