Minuten einer Zusammenkunft der Presse

- Gyalwang Karmapa in Tilokpur, 2000
Minuten einer Zusammenkunft der Presse im Department of Information and International Relations [der tibetischen Regierung im Exil] in Anbetracht des Eintreffens des 17. Karmapa Rinpoche in Dharamsala
Datum: 8. Jänner 2000
Zu Beginn betonte der DIIR Sekretär, Herr Thubten Samphel, dass die Zusammenkunft keine formelle Pressekonferenz als solche sei, vielmehr eine Geste, um die vielen Anfragen der [Vertreter der] Medien, die Dharamsala aus eigenem Entschluss besucht haben, zu klären.
Kalon Tashi Wangdi, Minister des Department of Religion and Cultural Affairs: „Es ist wahr, dass der 17. Karmapa in Dharamsala angekommen ist. Karmapa Rinpoche ist hier seit dem Morgen des 5. Jänner 2000. Ich muss jedoch erklären, dass die Ankunft Rinpoches in Dharamsala die gesamte Exilverwaltung mehr als überraschte. Wir hatten keinerlei Wissen über Karmapas Verlassen von Tibet oder über seine Ankunft in Dharamsala bis zum Morgen des 5. Jänner, als wir zum ersten Mal darüber hörten. Die Ankunft Rinpoches überraschte sogar mich, den Minister des Department of Religion and Cultural Affairs.“
„Es ist auch wahr, dass Karmapa Rinpoche bald nach seinem Eintreffen in Dharamsala eine kurze Audienz mit Seiner Heiligkeit Dalai Lama hatte. Das war, bevor Seine Heiligkeit Dalai Lama in seine Zurückziehung ging.“
„Abgesehen von [dieser] Bestätigung, habe ich keinerlei andere Bemerkungen zur Ankunft Karmapa Rinpoches hinzuzufügen. Während der Beantwortung einer Frage, ob die Indische Regierung ihre Zustimmung zu seinem Verbleib und Aufenthalt in Indien gegeben hätte „Unser Hauptbedenken derzeit ist die Gesundheit Karmapa Rinpoches. Er hatte eine lange und schwierige Reise. Die gesamte Flucht war traumatisch für jemanden, der erst 14 Jahre alt ist. Jetzt möchten wir, dass er sich vollständig erholt. Deshalb waren wir bisher nicht in der Lage, von ihm Details in Bezug auf die Fragen, wie und warum er aus Tibet geflüchtet war, oder seine zukünftigen Pläne, diese Angelegenheit betreffend, zu erhalten.“
„Wir werden erst dann in der Lage sein, zu seinen zukünftigen Plänen Stellung zu nehmen, nachdem wir seine eigenen Ansichten zur Angelegenheit kennen. Erst dann werden wir in der Lage sein, zu den zukünftigen Schritten, die Rinpoche wahrscheinlich nehmen wird, Stellung zu nehmen. Aber nicht, bevor wir seine Ansichten in dieser Angelegenheit erfahren haben.“
In Beantwortung einer Frage, ob die Indische Regierung mit der Flucht aus Tibet und der Ankunft des jungen Lama in Dharamsala vertraut gemacht worden sei „Wir wissen, dass die Indische Regierung bereits Bescheid weiß über die Ankunft Karmapa Rinpoches in Dharamsala. Aber wie ich zuvor erklärt habe, ist das allerwichtigste zurzeit die vollständige Erholung des Knaben, der eine sehr anstrengende Reise hinter sich hat. Unter diesen Umständen konnten wir mit ihm keine anderen Themen besprechen.“
Dazu befragt, warum Karmapa Rinpoche zu diesen Themen nicht selbst befragt werden könnte „Die Stellung des Karmapa Rinpoche als Buddhistischer Lama ist sehr hoch. Obwohl erst vierzehnjährig, wird Rinpoche gemäß dem Protokoll, das durch die Institution seiner Wiedergeburt entsteht, [empfangen werden]. Deshalb haben wir Karmapa Rinpoche nur gebeten, sich jetzt vollständig auszuruhen“.
In Beantwortung einer Frage zum Treffen Rinpoches mit Seiner Heiligkeit Dalai Lama „Es war ein sehr kurzes Treffen. Es war ein Treffen bei verschlossenen Türen. Ich habe keinerlei Information darüber, was sich zwischen den beiden religiösen Führern ereignet hat.“
Dazu aufgefordert, darüber zu spekulieren, welche Auswirkungen voraussichtlich folgen werden, da der jugendliche Lama die Anerkennung von sowohl Seiner Heiligkeit Dalai Lama und der Chinesischen Regierung hat „Dazu kann ich keine Stellungnahme abgeben. Und natürlich liegt es nicht an mir, für die Chinesische Regierung zu sprechen“.
Dazu befragt, warum der jugendliche Lama die schwierigste Jahreszeit, also Winter, für seine Flucht gewählt habe „Es ist wahr, dass der Winter als keine gute Zeit angesehen wird, eine solche Reise zu unternehmen. Aber alles, was ich [dazu] sagen kann, ist, dass, obwohl er komplett überanstrengt ist, er sich in gutem gesundheitlichem Zustand befindet“.
Zur Zusammensetzung der Entourage Karmapas befragt „Seine Entourage besteht aus sechs Menschen. Zwei Lamas und vier Laien begleiten ihn“.
Dazu befragt, ob Rinpoche die Fahrzeuge auf seinem Weg nach Indien gewechselt hatte, oder ob das in die Vorher-Planung nicht miteinbezogen war „Ich muss deutlich sagen, dass die Exilverwaltung keine Ahnung über die Abreise Rinpoches aus Tibet oder seine Ankunft in Indien bis zum Morgen des 5. Jänner hatte. Deshalb überraschte uns die Ankunft des jugendlichen Lamas alle wirklich sehr“.
Dazu befragt, ob manche Mitglieder der Entourage zuvor schon in Indien gewesen seien „Ich habe keinerlei Information dazu. Die Ankunft Rinpoches in Dharamsala war so unvermutet, dass sogar ich überrascht war. Der Sekretär unseres Departments (Department of Religion and Cultural Affairs) erzählte mir, dass ein sehr wichtiger Lama aus Tibet in Dharamsala angekommen sei. Erst später erzählte er mir aufgeregt, dass ‚Karmapa Rinpoche angekommen ist‘. Ich tätigte dann einen kurzen Höflichkeitsanruf und rief Karmapa Rinpoche an. Er wirkte vollkommen erschöpft, aber zur gleichen Zeit schien er sehr ausgeruht“. Dazu befragt, ob der jugendliche Lama glücklich aussah „Er lächelte“.
Dazu befragt, wohin der Knabe zuerst gegangen war „Er wurde zuerst im Bhagsu Hotel angefunden“.
Über die Meinungsverschiedenheiten, die im Zusammenhang mit Shamar Rinpoches Karmapa Kandidaten stünden „Eines ist klar, dass es nur einen Karmapa gibt, der von Seiner Heiligkeit Dalai Lama anerkannt wurde und der die Anerkennung einer überwältigenden Mehrheit der buddhistischen Anhänger, nicht nur der Tibeter, sondern in der ganzen Welt hat. Wir haben keine Anmerkung zu jeglichem anderen Kandidaten“.
Dazu befragt, darüber zu spekulieren, was zur Flucht veranlasst habe „Ich konnte bisher dazu mit ihm noch nicht im Detail sprechen. Bis wir von ihm die gesamte Geschichte gehört haben werden, wäre es nicht angemessen für uns, darüber zu spekulieren, was den jugendlichen Lama dazu veranlasst haben könnte, aus Tibet zu fliehen“.
Zum Alter [der Mitglieder] der Entourage befragt „Die jüngste unter ihnen ist 24 und die anderen sind in ihren Vierzigern oder Fünfzigern. Einer der Angehörigen der Gruppe ist seine Schwester. Sie ist diejenige, die 24 ist. Seine Eltern sind zurückgeblieben, genauso wie seine Brüder und Schwestern.“
Dazu befragt, ob Rinpoche den ganzen Weg gegangen war „Ja, er ist Teile seiner Reise zu Fuß gegangen“.
Quelle: Department of Information and International Relations, CTA [Tibetische Zentralverwaltung], Dharamsala, Indien, deutsche Übersetzung Lama Palmo




